Die Omanis

Ethnien im Oman, Religion, Festtage...

Ethnien im Oman

Der Oman ist eine facettenreiche Nation mit einer Vielzahl von Wurzeln – die Heterogenität der Menschen ist ein Erbe der bewegten kosmopolitischen Vergangenheit des Handels- und Seefahrervolkes. Die Mehrheit der Omanis sind Araber und gehören einem bestimmten Stamm an. Wie viele arabische Stämme es im Oman gibt, ist eine kaum zu beantwortende Frage, da sich die einzelnen Gruppen und deren Selbstverständnis nur schwerlich definieren lassen. Die meisten Gruppen gehören den Hinawi und Ghafiri an, Nachfahren süd- und nordarabischer Stämme. Beide sind politische Fraktionen, die sich erst im 18. Jahrhundert im Streit um die Nachfolge des Imam polarisierten. Der komplexe Konflikt zwischen beiden Gruppen lässt sich vereinfacht begreifen als die Auseinandersetzung zwischen den Wüstenstämmen und sesshaften Bewohnern der Küstenregion, besonders der reichen Hafenstädte.

Neben den Arabern leben noch weitere ethnische Gruppen im Oman, darunter Inder und Pakistanis, die sich im Laufe der Zeit entlang der Küste im Norden angesiedelt haben und sehr oft auch als Gastarbeiter zu finden sind. Afrikanisches Blut fließt ebenfalls durch die Adern vieler Omanis. Diese werden allgemein als Sansibars bezeichnet und stammen mehrheitlich von nach Afrika ausgewanderten und später zurückgekehrten Omanis ab. Da viele der Sansibars in der Vergangenheit in Großbritannien, den USA und Britisch-Ostafrika studiert haben und heute hohe Beamtenpositionen besetzen, ist ihr sozialer Status relativ hoch. Seit 1970 kommen viele westliche Geschäftsleute, aber auch indische und philippinische Arbeiter, vor allem in die Hauptstadtregion.

Das Leben im Oman ist seit jeher bestimmt von Fischerei, Gemüse- und Obstanbau in den Oasen, Nomadentum und Handel. Die Hauptgrundlage der Landwirtschaft in den Oasen waren noch Anfang der siebziger Jahre wie in alten Zeiten Dattelpalmen. Urbanes Leben hingegen gibt es noch nicht sehr lange. Die Mehrzahl der Omanis ist heute sesshaft und lebt in den Hafenstädten, in der Capital Area, als Bauern in den Oasen und Fischerdörfern. Noch heute verdienen viele Küstenbewohner ihren Lebensunterhalt mit Fischfang. Die Oasen entlang der Batinah-Küste werden intensiv landwirtschaftlich genutzt. Der traditionelle Dattelanbau in den Oasen ist jedoch im Niedergang begriffen trotz des Einsatzes von Gastarbeitern - die jungen Menschen zieht es seit den 70er Jahren in die Städte, wo sie in der Verwaltung, im Finanzsektor und in der Erdölwirtschaft arbeiten. Für körperliche Arbeiten werden vor allem in der Privatwirtschaft ausländische Arbeiter beschäftigt. Mittlerweile leben 77 % der Omanis in Städten. In der Hauptstadtregion geht es modern-urban zu: Die Städter kaufen in klimatisierten Shopping Malls ein, sind auf Autobahnen unterwegs, spielen Golf und Tennis; es gibt Restaurants, Luxushotels, Kinos und gepflegte Sandstrände.

Seit Beginn der umfassenden Modernisierung ist auch der Anteil der nomadischen Bevölkerung stark zurückgegangen. Nur noch wenige ziehen umher; die traditionelle Kamel-, Schaf- und Ziegenzucht und der Fischfang sind nicht mehr von großer Bedeutung. Die meisten Nomaden lebten als Viehzüchter in den Weiten der Wüste, wo sie von Weideplatz zu Weideplatz zogen. Die Dattelernte im Sommer führte die Bedu in die Oasen. Im Straßenbau und auf Erdölfeldern fanden sie jedoch im letzen Vierteljahrhundert neue Einkommensquellen. Geld wurde investiert in Kraftfahrzeuge, Bauland, Dattelgärten und Motorpumpen und feste Wohnsitze errichtet, in denen der größte Teil des Jahres verbracht wird. In der Mehrheit sind die Nomaden damit weitgehend sesshaft geworden - eine Tendenz die der Staat durch die Errichtung von Siedlungen unterstützt. Die Winterlager liegen nah an den Oasen, es gibt Strom und die Kinder werden mit dem Auto zur Schule gebracht; Wasser sowie Viehfutter kommen mit dem Landrover in die Wüstenlager. Die Kamelhaltung ist zwar kein wirtschaftlicher Faktor, aber als jahrtausendelanger, treuer Begleiter der Menschen genießen die Kamele auch heute noch eine tiefe Wertschätzung bei der Beduinenbevölkerung, wobei ihre Pflege Sache der Männer war und ist.

Religion

Die Mehrheit der Omanis (84%) gehören dem muslimischen Glauben an; die Ibaditen machen dabei den größten Teil aus, gefolgt von den Sunniten. Eine Minderheit unter den muslimischen Omanis bilden schiitische Glaubenrichtungen. Außerdem leben in Oman Hindus, Christen und Juden.

Der Ibadismus im Oman ist traditionell charakterisiert durch Toleranz, Liberalität und die Auffassung, dass die Religion stets der Aktualisierung bedarf und Glaubenssätze immer wieder überdacht und modifiziert werden müssen. Da das Land es vollbracht hat, Modernisierung, Verweltlichung und Trennung von Staat und Religion mit den Grundsätzen des Islams in Einklang zu bringen, gibt es in dem gemäßigten Land so gut wie keine Rufe nach einer Rückbesinnung auf orthodoxe Glaubenswerte. Der Sultan hat sich öffentlich gegen religiöse Radikalität, Intoleranz und Gewalt ausgesprochen. Sultan Qaboos’ kluge Politik, Neues mit Altem zu verbinden, auf Traditionen zu bauen und trotzdem zu modernisieren, zeigt sich etwa der gesellschaftlichen Position omanischer Frauen.

Im Vergleich zu anderen arabischen Ländern, genießen Frauen im Oman mehr Freiheit. Frauen sind in der öffentlichen Sphäre überall präsent und entsprechen nicht dem Klischee der unterdrückten arabischen Frau. Unterschiede gibt es zwischen den Stadt- und Landfrauen, die häufig ein traditionelleres Leben führen. Der Sultan ist ein Förderer der Gleichberechtigung und setzt vor allem auf Bildung. Dabei betont er, dies widerspreche keineswegs dem Islam. Die Vereinbarkeit wird erleichtert durch das Berücksichtigen von alten Traditionen - ein Grundsatz der behutsamen Modernisierungspolitik: An den Universitäten sind bestimmte Räumlichkeiten den Frauen vorbehalten.

Medien

Fernsehen im Oman ist staatlich betrieben, es gibt jedoch mehrere arabisch- und englischsprachige unabhängige Tageszeitungen. In der Hauptstadtregion kann man neben Radio Oman, das auch auf Englisch sendet, BBC World empfangen.

Festtage

Die wichtigsten Feste im omanischen Kalender sind die beiden religiösen Eid-Feiern. Die Omanis haben frei, die Geschäfte bleiben geschlossen, es wird im Kreise der Familie festlich geschmaust. Man kommt zum Singen und Tanzen zusammen und geht zu langen Predigten in die Moscheen. Zum mehrtägigen Eid Alfitr zelebrieren Muslime das Ende des Fastens im Ramadan-Monat, dem neunten Monat des islamischen Kalenders. Während des heiligen Monats verzichten Muslime tagsüber auf Essen, Trinken und Rauchen, um so ihre tiefe Verbundenheit mit Allah auszudrücken. Auch von Touristen wird erwartet, während des Ramadan in der Öffentlichkeit nicht zu essen und zu trinken. Das Fastenbrechen nach den 29 bis 30 Tagen ist ein fröhlicher Anlass, denn man blickt zurück auf eine Zeit der intensiven Glaubenspflege, in der man spirituelle Kraft gewonnen hat. Das Wort Eid meint Rückkehr – Rückkehr der Seele in einen Zustand der Reinheit. Die Vorbereitungen beginnen schon in der Mitte des heiligen Monats. Die Märkte überall im Land füllen sich nach und nach je näher das Fest rückt. Deshalb ist zu dieser Zeit der Besuch auf einem Souq ein ganz besonderes Erlebnis. In dem geschäftigen Treiben wird alles feilgeboten, was man für die Feierlichkeiten benötigt - wie etwa Schafe, Kühe, Ziegen, Hühner, um die ordentlich gefeilscht wird, und neue Kleidung. Vor dem Eid verteilen Omanis Almosen an Arme und Bedürftige, in Form von Geld, Weizen oder Reis. Gegen Ende des Monats halten die Menschen im ganzen Land Ausschau nach dem Mond. Ist der Silbermann gesichtet, verkündigen die Medien diese erfreuliche Neuigkeit und ein Urlaubstag wird ausgerufen.

Wenn der Eid-Tag herangerückt ist, werfen sich die Menschen in ihre besten, neu gekauften Sachen, parfümieren sich und machen sich bereit für das Gebet in der Moschee. Wichtiger Bestandteil des Festes ist natürlich ein festliches Mahl.

Während des Eid-Feste finden zahlreiche Veranstaltungen im Land statt: Bei Pferde- und Kamelrennen sowie folkloristischen Tanzaufführungen erfreuen sich die Omanis an der ganz besonderen Stimmung.

Omanisches Silberschmiedehandwerk

Viele unterschiedliche Gestaltungstechniken, Stile, Formen, Motive und Materialen flossen über die Jahrhunderte in die vielfältige und formenreiche Tradition des Silberschmiedehandwerks des Seefahrervolkes ein. Schmuck wurde damals vornehmlich aus Silber gefertigt, da es billiger war als das ohnehin schwer zu bekommende Gold. Prächtiges Geschmeide war von großer Bedeutung in der alten arabischen Welt. Schmuckgeschenke dienten als eine Art Lebensversicherung: Silberne Ketten und Amulette sollten Frauen in Todesfällen finanziell absichern. Verwendete man früher geschmolzene Maria-Theresia-Taler, werden heute Silberbarren importiert. Allerdings ist Goldschmuck in letzter Zeit in Mode gekommen: Das edlere Metall gilt als geeigneter, den wachsenden Wohlstand auszudrücken. Viele Silberschmieden sind deshalb auf Gold umgestiegen.

Ein alter, bis heute nicht verlorengegangener Brauch ist das Tragen von Silberamuletten, in denen bunte Steine, Korallen, Münzen, gern auch Bruchstücke von Fahrradrückstrahlern eingefasst sind. Den Amuletten werden unterschiedliche Wirkungen zugeschrieben, entscheidend sind dabei die Farben und die deren Leuchtkraft. Rot etwa beschützt den Amulettträger vor Krankheiten.

Die Silbeschmiedetradition wird noch heute von den Bedu im Landesinneren weitergeführt.

Duftwelten: Weihrauch, Duftöle und andere Wohlgerüche

Oman ist ein Reich der Wohlgerüche. Die Herstellung von Räucherstoffen, Duftölen und Parfümen ist eine alte, traditionelle arabische Kunst. Düfte sind im Oman wichtiger Teil der Kultur. Eine Reise in den Oman ist immer auch eine Entdeckungstour für die Nase in unbekannte Duftgefilde in Häusern, auf Märkten - überall. Omanische Frauen umgeben sich gerne mit einer Wolke aus selbst hergestellten Duftwässerchen. Auffällige Düfte und schwere Noten gelten als anregend, nicht als aufdringlich.

Den Duft von Weihrauch, der im Oman keinerlei religiös-kultische Funktion hat, vernimmt man überall: Das Duftharz dient vor allem als Parfümierungsmittel für den alltäglichen Hausgebrauch. In der Küche dient er als Deodorant, um Essengerüche zu neutralisieren oder Wasser zu parfümieren. Zu Festen verleihen Omanis ihrem Zuhause einen Duft mithilfe ihrer eigenen Hausmischung. Die Duftmixturen, Bokhur, beinhalten neben Weihrauch Moschus, Myrrhe, Sandelholz, Rosenblätter und andere Duftstoffe. Die Ingredienzien werden getrocknet, gemahlen und dann auf Holzkohle im Brenner verräuchert. Ein Erlebnis für den Geruchssinn ist ebenfalls ein Besuch in Duftgärten. Nachts wird man dort eingefangen von dem betörenden, süßen Duft des Jasmins.

Esskultur

Im kargen Landesinneren ernährten sich die Omanis bis vor Kurzem vor allem von Datteln, ein wenig Gemüse, Limonen, reis und Brot. Zu festlichen Anlässen wurde eine Ziege geschlachtet. Fisch, vornehmlich gegrillt, Obst und importierte Handelswaren gestalteten die Küche in der fruchtbaren Küstenregion vielseitiger. Die Handelstradition des Omans hat ihre Spuren in der Landesküche hinterlassen: Früchte und Gewürze, darunter die Muskatnuss, gelangten über den Seeweg aus Indien, Asien und Afrika in die Kochtöpfe. Allzu scharf mag man allerdings im Oman nicht essen.

Die Gastfreundschaft der Omanis ist sprichwörtlich. Zu einem traditionellen Mahl findet man sich im Empfangsraum ein, wo man vor dem Essen auf dem Boden sitzend plaudert. Dann wird Obst gereicht und viel Aufhebens darum gemacht, wer nach dem ersten Stück greift: ein Ritual der Gastfreundlichkeit, Ehrerbietung und Bescheidenheit.

Zum Hauptgang werden mehrere Gerichte gleichzeitig in Schüsseln gereicht, von denen man sich nach und nach nimmt. Dazu isst man gewürzten Reis. Gegessen wird von einem Gemeinschaftsteller. Traditionelle Gerichte sind zum Beispiel Kambuuli, Reis mit Pinienkernen, Zimt, Cashewnüssen, getrockneten Limonen, Kardamom und Lamm oder Ziege. Obst, Datteln und Halwa, die nationale Süßspeise aus Butter, Karamell, Stärke und Nüssen, runden das Mahl ab. Den Abschluss bildet das parfümieren der Hände und Kaffee; Weihrauch wird entzündet. Typische omanische Küche erhält man in Restaurants und Hotels eher selten – hier wird indisch, chinesisch oder europäisch gekocht. Omanis essen lieber zu Hause als auswärts.

Der starke indische Einfluss ist auch in der Teekultur erkennbar, die eigentlich wenig arabisch ist: Omanis mögen ihren Tee süß mit viel Milch und stark gewürzt mit Kardamom und Nelken.

Junge Omanis mit Kamelen
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